Von oben sehen sie identisch aus. Die gleiche Form, der gleiche Buchstabe, die gleiche Funktion. Und trotzdem können zwei Tastaturen mit identischen Switches völlig unterschiedlich klingen, anders leuchten und sich in einem ganz anderen Tempo abnutzen. Das Geheimnis steckt im Material der Tastenkappen – PBT oder ABS. Drei Buchstaben gegen drei, und den Unterschied spürst du schon bei der ersten Nutzung.
Schauen wir uns an, woher dieser Kontrast kommt.
PBT – Haltbarkeit, Textur und tieferer Klang
PBT, also Polybutylenterephthalat, klingt wie ein Begriff aus dem Chemielehrbuch, doch die Wirkung des Materials spürst du sofort unter den Fingern. Es ist dichter, härter und dicker als die günstigeren Kunststoffe, die in Budget-Tastaturen eingesetzt werden. Die Oberfläche ist von Natur aus matt und leicht rau, bietet dadurch mehr Halt und behält ihre Textur auch über Tausende Stunden Nutzung.
Eine zentrale Eigenschaft von PBT ist die Beständigkeit gegen den sogenannten Shine, also den Glanz auf Tasten, der durch Reibung entsteht. PBT-Tastenkappen behalten ihr mattes Finish in der Regel deutlich länger, und das ist kein Marketingversprechen, sondern eine physikalische Eigenschaft des Materials. PBT nimmt schlicht weniger Feuchtigkeit auf, ist chemisch beständiger und hält höheren Temperaturen stand, ohne dass sich die Oberflächenstruktur verändert.

Diese Haltbarkeit hat allerdings ihren Preis. Das Material lässt sich schwieriger formen, deshalb ist die Farbauswahl meist eingeschränkter. Am häufigsten findest du PBT in gedeckten Farbtönen, die seinen rohen, technischen Charakter gut unterstreichen. In der Praxis bedeutet das eine Tastatur, die sich solider anfühlt, tiefer klingt und ihr Aussehen über viele Jahre behält.
ABS – Farben, Beleuchtung und leichterer Charakter
Acrylnitril-Butadien-Styrol ist ein Kunststoff, den du unter anderem von LEGO-Steinen kennst. Das hat seinen Grund: ABS ist weicher, lässt sich leichter formen und nimmt kräftige Farben besser an. Tastenkappen aus diesem Material haben einen charakteristischen, glatten Glanz – ihre Oberfläche fühlt sich rutschiger an, was für manche schnellere Fingerbewegungen bedeutet und für andere weniger sicheren Halt.
Einer der größten Vorteile von ABS ist die bessere Lichtdurchlässigkeit. Dünne Wände und eine weniger dichte Struktur sorgen dafür, dass RGB-Beleuchtung intensiver wirkt und Farben klarer erscheinen. Wenn die Tastatur der wichtigste Lichtakzent auf deinem Schreibtisch sein soll, gewinnt ABS diesen Vergleich eindeutig.

Ganz ohne Nachteile ist das Material allerdings nicht, und das muss man nicht verschweigen. Mit der Zeit beginnt die Oberfläche zu polieren, und die am stärksten genutzten Tasten – Leertaste, WASD oder Pfeiltasten – entwickeln nach längerer regelmäßiger Nutzung zusätzlichen Glanz. Für manche ist das die natürliche Patina der Hardware, für andere ein Zeichen, dass es Zeit für einen neuen Satz Tastenkappen ist.
Der Klang der Tastatur hängt auch von den Keycaps ab
Der Klang von Tastenkappen ist ein Aspekt, der beim Vergleich von Tastaturen sehr oft übersehen wird. Dabei beeinflusst das Material der Keycaps die Akustik fast genauso stark wie die Switches oder die Konstruktion des Gehäuses.
Dickeres, dichteres PBT dämpft höhere Frequenzen und betont tiefere Töne. In der Community rund um mechanische Tastaturen wird dieser Effekt als Thock bezeichnet – ein tiefer, voller Klang, den viele Nutzer heute als Referenz für eine gut klingende Tastatur ansehen.
ABS-Tastenkappen klingen ausgeprägter und schärfer. Dünnere Wände verstärken hohe Frequenzen und erzeugen den charakteristischen Clack. Das bedeutet nicht, dass sie schlechter klingen – sie bieten einfach einen völlig anderen Charakter.
RGB-Beleuchtung – wenn das Material den Unterschied macht
RGB-Fans sollten wissen, dass klassische PBT-Keycaps mit durchgehendem Material weniger Licht durchlassen als ABS. Die Legenden bleiben gut lesbar, aber die Taste selbst leuchtet deutlich dezenter.
Die Antwort darauf waren Pudding-Tastenkappen, bei denen der obere Teil aus PBT und der untere aus einem lichtdurchlässigen Material besteht. So tritt das Licht an den Seiten aus und erzeugt den charakteristischen Leuchteffekt, ohne auf die Haltbarkeit von PBT zu verzichten.

Gute Beispiele sind die Sets ENDORFY PBT Pudding Onyx White und die klassischen ENDORFY PBT Pudding. Diese Sets verbinden die Haltbarkeit der Double-Shot-Technologie mit einem Lichteffekt, der noch vor Kurzem vor allem mit ABS-Keycaps verbunden wurde.
Haltbarkeit der Legenden – das Material ist nur die halbe Geschichte
Das Material allein entscheidet noch nicht über die Haltbarkeit von Keycaps. Genauso wichtig ist die Art, wie die Legenden gefertigt werden.
- Double Shot – zwei Kunststoffschichten werden gleichzeitig geformt. Das Zeichen ist Teil der Tastenkappe und lässt sich daher praktisch nicht abreiben.
- Dye-Sublimation – der Farbstoff dringt unter hoher Temperatur in die PBT-Struktur ein. Eine sehr haltbare Methode, die allerdings weniger Farboptionen bietet.
- Laser Etching – die Legende wird per Laser aufgebracht. Haltbar, aber meist weniger kontrastreich.
- Pad Printing – klassischer Oberflächendruck. Die günstigste und am wenigsten haltbare Lösung.
Deshalb lohnt es sich bei der Auswahl von Keycaps, nicht nur auf das Material, sondern auch auf die Technologie zur Herstellung der Legenden zu achten. Die Kombination aus PBT und Double Shot (die übrigens bei den meisten ENDORFY Tastaturen eingesetzt wird) gilt heute als einer der besten Standards auf dem Markt.

Zusammenfassung
Bei der Wahl einer Tastatur konzentriert man sich schnell auf Switches, Beleuchtung oder das Tastenlayout. Dabei sind gerade die Keycaps das Element, mit dem du bei jedem Tastendruck Kontakt hast. Deshalb lohnt es sich, nicht nur darauf zu achten, was unter der Taste steckt, sondern auch auf die Tastenkappe selbst. Manchmal verändert gerade sie das tägliche Gefühl beim Nutzen der Tastatur am stärksten.
